• en
  • de



  • Observations on Work, Employment & Education

    Günter Hefler

    Life Guidance durch Himmel und Hölle

    In Ruth Maders Spielfilm Life Guidance (2017) sondert eine ausgegliederte, an das österreichische Arbeitsmarktservice gemahnende, Agentur alle ab, die nicht leisten können oder wollen: zu leben wissen nur die Götter „am Himmel“.

    Alexander: „Ich liebe Dich!“ –  Anna: „Ich liebe Dich!“ – Ein erster Wort­wech­sel in einer Gesell­schaft der nahen Zukunft, in der nur das Wün­schens­wer­te, Pro­duk­ti­ve möglich erscheint. Deshalb bedeuten Worte der Liebe so wenig wie jene der Kin­der­lie­der; „Ich werde besser als ich selbst, ich greife nach dem Limit. Denn jeder hat die Wahl, das ist optimal“. Im Restau­rant hören wir die Ärztin Anna, Ehefrau des Helden, sagen „Der Buch­hal­ter kann seine Jobs nicht halten, […] seine Angst lässt ihn immer wieder versagen, […], ich kann ihm nicht sagen, dass ihm die Schlaf­burg nicht droht: sie droht ihm“ – „Die uner­träg­li­che Leich­tig­keit des Seins – aus dem Leben eines Mini­mum­be­zie­hers“ – iro­ni­siert ein Mitessender.

    Noch ist der Film keine vier Minuten alt, Miniatur für Miniatur lernen wir die Drei­tei­lung der Welt von Morgen kennen: Leistungsträger*innen führen ein Leben im Wohlstand – die Mitte. Wer zurück­fällt, dem droht die Schlaf­burg – die Hölle. Ein Nicht-Ort, aus allen Karten getilgt (wir werden den Wiener Karl-Marx Hof erkennen[1]), dort hausen die Minimumbezieher*innen, nehmen Psy­cho­phar­ma­ka, erhalten den Trost der Kirche. Das Oben, der eigent­li­che Himmel, aber liegt jenseits der Arbeitsgesellschaft.

    Jemand musste Alexander (gespielt von Fritz Karl) ver­leum­det haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wird er eines Morgens von seinem Life Guide zu Hause besucht. Alex­an­ders Frau Anna beschwört ihn, es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen – die Unter­stüt­zung der Agentur Life Guidance kann nicht abgelehnt werden. Maßnahmen – wir sehen eine Kunst­the­ra­pie­grup­pe – müssen besucht werden. Gegen das Rating der Agentur gibt es keine Rechts­mit­tel. Wird die Stufe 5 vergeben, folgt die Ver­ban­nung in die Schlafburg.

    Alexander wird den Kampf gegen das Verdikt von Life Guidance aufnehmen. Seine Hand­lun­gen bleiben nicht unbemerkt, sein Guide bestellt Alexander zu einer Film­vor­füh­rung ein, bei der ein Stück aus Alex­an­ders Unbe­wuss­tem auf die Leinwand pro­ji­ziert wird. Die Agentur weiß alles.

    Als Alexander bemerkt, dass seine Frau ihn im Auftrag von Life Guidance aus­spio­niert, läuft er Amok. Er schlägt einen Ange­stell­ten des Unter­neh­mens nieder, und sucht nach anderen Träumen, die ihm geraubt wurden. Er dringt in die verbotene Zone der Schlaf­burg ein, beginnt fast eine Affaire, erfährt vom Tod seines Vaters, und fährt in gren­zen­lo­ser Wut die Straße hoch, zu einem Stück Wiener Wald namens „Am Himmel“. Dort will er Antworten von den eigent­lich Mächtigen. Unver­mit­telt gerät er in eine Jagd­ge­sell­schaft der Super­rei­chen, nur Männer (Waf­fen­lob­bist Mensdorff-Pouilly spielt sich selbst) und wird auf eine Jause eingeladen.

    Dort steht Alexander wie ein Sän­ger­kna­be, während sich die alten Herren über die Unzu­frie­den­heit der Leis­tungs­klas­se mokieren: Auf Alex­an­ders „Sie haben ein mör­de­ri­sches System instal­liert …!“ höhnen sie „Beschwe­ren Sie sich beim Ombuds­mann!“ „Jetzt habt ihr alles bekommen, was ihr wolltet, Nicht-rauchen, All-You-Can-Fuck, keine Trans­fet­te, Margen für Eure Pen­si­ons­vor­sor­ge, Dach­ter­ras­sen mit Panorama Blick!“ – „Mar­ken­wa­re für alle, von Kin­der­hand gestickt!“ – „Einkommen ohne zu arbeiten, Gar­ten­par­tys mit Leuten, die man gar nicht kennt!“ –  „Ver­kehrs­be­ru­hi­gung!“ „Bür­ger­be­tei­li­gungs­pro­jek­te“ – „Kaf­fee­kap­seln!“ „Ihr habt geglaubt, dass ihr ohne zu arbeiten, euer Kapital vermehren könnt“.

    Die Wahrheit wiegt schwer. Auf seinem Rückweg schlägt Alexander seinen Life Guide nieder, findet zurück nach Hause, flüchtet ins Ehebett: Wir hören Alex­an­ders „Ich liebe Dich“ invon Annas „Ich liebe Dich“ ergänzt.

    Wie in Dystopien häufig ist das Fehlende so wichtig wie das Gezeigte. Die Gesell­schaft der Zukunft hat den Indi­vi­du­en jede Aggres­si­on – jedes Auf­be­geh­ren gegen eine Zumutung, jedes Zugreifen auf das Gewünsch­te – genommen. Wer Aggres­sio­nen zeigt, ver­sün­digt sich am Optimum. Ohne den eigenen Wünschen Formen zu geben – ohne das Risko, ein „Nein“ zu ernten – kommt es zu keinem Austausch, keiner Gestalt, keiner Beziehung. Das Leben – die Liebe – bleibt leer.

    Gegen die Agentur Life Guidance gibt es keinen Instan­zen­zug, das Indi­vi­du­um kann nicht berufen. Ent­schei­den­der: Es ist das Kol­lek­ti­ve abge­schafft. Alexander hat keine Freunde, er hat keine Kolleg*innen, keine Gemeinde, keine Kammer, keine Gewerk­schaft, keine Partei – er gehört zur weißen Ober­schicht, aber eigent­lich gehört er nirgends hin. Das Poli­ti­sche ist ausgelöscht.

    Arbeit selbst wird unsicht­bar, wenn alles der Arbeit unter­ge­ord­net ist. Wo der Film arbei­ten­de Menschen zeigt – die Spekulant*innen, die Kindergärtner*innen, die Kellner*innen, die Wachbeamt*innen, die Psychiater*innen, die Rezeptionist*innen, die Life Guides – scheint es immer so, als würde nicht gear­bei­tet, alles geschieht wie von selbst. Der Arbeit wird jede soziale Aner­ken­nung genommen, alles Kon­flikt­haf­te in ihr – jedes Leiden an ihr – wird zum Ver­schwin­den gebracht.

    Das AMS der Zukunft verwendet unsere Träume gegen uns, es weiß alles, entdeckt unser Bedürfnis, aggressiv zu sein, aber auch Wie­der­gut­ma­chung zu üben. Wir sind nicht nur gut, das System nutzt das aus. Die Angst, dass die ödipale Kon­kur­renz – wir sahen Alex­an­ders Traum­bil­der: der Sohn ver­schwört sich mit der Mutter gegen den Vater – und die rasende Eifer­sucht – der Sohn erstickt sein neu­ge­bo­re­nes Geschwis­ter­kind – außer Band geraten, lädt zur Unter­wer­fung ein. Unserem emo­tio­na­len Leben entwöhnt erzeugt jede Handlung im Affekt Übelkeit und in der Dystopie werden Vertreter*innen der helfenden Berufe – die Ärztin, der Psych­ia­ter, die The­ra­peu­tin, der Life Guide – Täter*innen. Sie helfen nicht uns, sondern dem System.

    Das Unbe­wuss­te und seine Konflikte selbst erzeugt die Dis­po­si­ti­on – die Abwehr­or­ga­ni­sa­ti­on –, die sich der Kapi­ta­lis­mus zunutze machen kann. Die Herr­schen­den (am Himmel) haben leicht lachen – denn die Unter­wor­fe­nen (in der Hölle), die wollen das so! Das Optimum schmei­chelt dem indi­vi­du­el­len Nar­ziss­mus, der uns vor Gefühlen wie Abhän­gig­keit, Neid, Wut, Hass und Trauer in Schutz nimmt. Solange es nur geht ein perfektes Leben, danach der Absturz ins nichts.

    Die dys­to­pi­sche Gesell­schaft ist gegen das indi­vi­du­el­le Auf­be­geh­ren gewappnet: Alex­an­ders Einbruch bei Life Guidance und selbst sein Mord­ver­such werden nicht bestraft, sondern wie nie geschehen behandelt: Alexander kommt davon, weil er wählt, wei­ter­zu­le­ben, als ob nichts passiert wäre. Die indi­vi­du­el­le Einsicht ändert nichts, nicht einmal für das eigene Leben.

    Ruth Maders Film ist ein hartes Stück Arbeit und verdient seinen Platz in der Geschich­te von Arbeit im Film: die Qualität ihrer Dystopie liegt darin, dass ihre Wahrheit so schwer aus­zu­hal­ten ist.

    Günter Hefler arbeitet zu Fragen des Lebens­lan­gen Lernens  im inter­na­tio­na­len Vergleich bei 3s Research & Con­sul­ting in Wien. Das Kino ist für ihn eine besonders wichtige Inspirationsquelle.

    [1] Der Karl-Marx Hof – 1930 mit 748 Wohn­ein­hei­ten und aus­ge­dehn­ten Grün­flä­chen – eröffnet ist der größte zusam­men­hän­gen­de Woh­nungs­bau der Welt und Symbol des öffent­li­chen Woh­nungs­baus des „Roten Wiens“ schlecht­hin: Karl-Marx-Hof – Wikipedia.

    Life Guidance, Ruth Mader, AT 2017 

    Filmstill, Life Guidance, AT 2017

    Filmstill, Life Guidance, AT 2017

    Filmstill, Life Guidance, AT 2017

    Filmstill, Life Guidance, AT 2017

    Filmstill, Life Guidance, AT 2017

    Tags

    Life Guidance durch Himmel und Hölle

    Günter Hefler

    In Ruth Maders Spielfilm Life Guidance (2017) sondert eine ausgegliederte, an das österreichische Arbeitsmarktservice gemahnende, Agentur alle ab, die nicht leisten können oder wollen: zu leben wissen nur die Götter „am Himmel“.

    Alexander: „Ich liebe Dich!“ –  Anna: „Ich liebe Dich!“ – Ein erster Wort­wech­sel in einer Gesell­schaft der nahen Zukunft, in der nur das Wün­schens­wer­te, Pro­duk­ti­ve möglich erscheint. Deshalb bedeuten Worte der Liebe so wenig wie jene der Kin­der­lie­der; „Ich werde besser als ich selbst, ich greife nach dem Limit. Denn jeder hat die Wahl, das ist optimal“. Im Restau­rant hören wir die Ärztin Anna, Ehefrau des Helden, sagen „Der Buch­hal­ter kann seine Jobs nicht halten, […] seine Angst lässt ihn immer wieder versagen, […], ich kann ihm nicht sagen, dass ihm die Schlaf­burg nicht droht: sie droht ihm“ – „Die uner­träg­li­che Leich­tig­keit des Seins – aus dem Leben eines Mini­mum­be­zie­hers“ – iro­ni­siert ein Mitessender.

    Noch ist der Film keine vier Minuten alt, Miniatur für Miniatur lernen wir die Drei­tei­lung der Welt von Morgen kennen: Leistungsträger*innen führen ein Leben im Wohlstand – die Mitte. Wer zurück­fällt, dem droht die Schlaf­burg – die Hölle. Ein Nicht-Ort, aus allen Karten getilgt (wir werden den Wiener Karl-Marx Hof erkennen[1]), dort hausen die Minimumbezieher*innen, nehmen Psy­cho­phar­ma­ka, erhalten den Trost der Kirche. Das Oben, der eigent­li­che Himmel, aber liegt jenseits der Arbeitsgesellschaft.

    Jemand musste Alexander (gespielt von Fritz Karl) ver­leum­det haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wird er eines Morgens von seinem Life Guide zu Hause besucht. Alex­an­ders Frau Anna beschwört ihn, es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen – die Unter­stüt­zung der Agentur Life Guidance kann nicht abgelehnt werden. Maßnahmen – wir sehen eine Kunst­the­ra­pie­grup­pe – müssen besucht werden. Gegen das Rating der Agentur gibt es keine Rechts­mit­tel. Wird die Stufe 5 vergeben, folgt die Ver­ban­nung in die Schlafburg.

    Alexander wird den Kampf gegen das Verdikt von Life Guidance aufnehmen. Seine Hand­lun­gen bleiben nicht unbemerkt, sein Guide bestellt Alexander zu einer Film­vor­füh­rung ein, bei der ein Stück aus Alex­an­ders Unbe­wuss­tem auf die Leinwand pro­ji­ziert wird. Die Agentur weiß alles.

    Als Alexander bemerkt, dass seine Frau ihn im Auftrag von Life Guidance aus­spio­niert, läuft er Amok. Er schlägt einen Ange­stell­ten des Unter­neh­mens nieder, und sucht nach anderen Träumen, die ihm geraubt wurden. Er dringt in die verbotene Zone der Schlaf­burg ein, beginnt fast eine Affaire, erfährt vom Tod seines Vaters, und fährt in gren­zen­lo­ser Wut die Straße hoch, zu einem Stück Wiener Wald namens „Am Himmel“. Dort will er Antworten von den eigent­lich Mächtigen. Unver­mit­telt gerät er in eine Jagd­ge­sell­schaft der Super­rei­chen, nur Männer (Waf­fen­lob­bist Mensdorff-Pouilly spielt sich selbst) und wird auf eine Jause eingeladen.

    Dort steht Alexander wie ein Sän­ger­kna­be, während sich die alten Herren über die Unzu­frie­den­heit der Leis­tungs­klas­se mokieren: Auf Alex­an­ders „Sie haben ein mör­de­ri­sches System instal­liert …!“ höhnen sie „Beschwe­ren Sie sich beim Ombuds­mann!“ „Jetzt habt ihr alles bekommen, was ihr wolltet, Nicht-rauchen, All-You-Can-Fuck, keine Trans­fet­te, Margen für Eure Pen­si­ons­vor­sor­ge, Dach­ter­ras­sen mit Panorama Blick!“ – „Mar­ken­wa­re für alle, von Kin­der­hand gestickt!“ – „Einkommen ohne zu arbeiten, Gar­ten­par­tys mit Leuten, die man gar nicht kennt!“ –  „Ver­kehrs­be­ru­hi­gung!“ „Bür­ger­be­tei­li­gungs­pro­jek­te“ – „Kaf­fee­kap­seln!“ „Ihr habt geglaubt, dass ihr ohne zu arbeiten, euer Kapital vermehren könnt“.

    Die Wahrheit wiegt schwer. Auf seinem Rückweg schlägt Alexander seinen Life Guide nieder, findet zurück nach Hause, flüchtet ins Ehebett: Wir hören Alex­an­ders „Ich liebe Dich“ invon Annas „Ich liebe Dich“ ergänzt.

    Wie in Dystopien häufig ist das Fehlende so wichtig wie das Gezeigte. Die Gesell­schaft der Zukunft hat den Indi­vi­du­en jede Aggres­si­on – jedes Auf­be­geh­ren gegen eine Zumutung, jedes Zugreifen auf das Gewünsch­te – genommen. Wer Aggres­sio­nen zeigt, ver­sün­digt sich am Optimum. Ohne den eigenen Wünschen Formen zu geben – ohne das Risko, ein „Nein“ zu ernten – kommt es zu keinem Austausch, keiner Gestalt, keiner Beziehung. Das Leben – die Liebe – bleibt leer.

    Gegen die Agentur Life Guidance gibt es keinen Instan­zen­zug, das Indi­vi­du­um kann nicht berufen. Ent­schei­den­der: Es ist das Kol­lek­ti­ve abge­schafft. Alexander hat keine Freunde, er hat keine Kolleg*innen, keine Gemeinde, keine Kammer, keine Gewerk­schaft, keine Partei – er gehört zur weißen Ober­schicht, aber eigent­lich gehört er nirgends hin. Das Poli­ti­sche ist ausgelöscht.

    Arbeit selbst wird unsicht­bar, wenn alles der Arbeit unter­ge­ord­net ist. Wo der Film arbei­ten­de Menschen zeigt – die Spekulant*innen, die Kindergärtner*innen, die Kellner*innen, die Wachbeamt*innen, die Psychiater*innen, die Rezeptionist*innen, die Life Guides – scheint es immer so, als würde nicht gear­bei­tet, alles geschieht wie von selbst. Der Arbeit wird jede soziale Aner­ken­nung genommen, alles Kon­flikt­haf­te in ihr – jedes Leiden an ihr – wird zum Ver­schwin­den gebracht.

    Das AMS der Zukunft verwendet unsere Träume gegen uns, es weiß alles, entdeckt unser Bedürfnis, aggressiv zu sein, aber auch Wie­der­gut­ma­chung zu üben. Wir sind nicht nur gut, das System nutzt das aus. Die Angst, dass die ödipale Kon­kur­renz – wir sahen Alex­an­ders Traum­bil­der: der Sohn ver­schwört sich mit der Mutter gegen den Vater – und die rasende Eifer­sucht – der Sohn erstickt sein neu­ge­bo­re­nes Geschwis­ter­kind – außer Band geraten, lädt zur Unter­wer­fung ein. Unserem emo­tio­na­len Leben entwöhnt erzeugt jede Handlung im Affekt Übelkeit und in der Dystopie werden Vertreter*innen der helfenden Berufe – die Ärztin, der Psych­ia­ter, die The­ra­peu­tin, der Life Guide – Täter*innen. Sie helfen nicht uns, sondern dem System.

    Das Unbe­wuss­te und seine Konflikte selbst erzeugt die Dis­po­si­ti­on – die Abwehr­or­ga­ni­sa­ti­on –, die sich der Kapi­ta­lis­mus zunutze machen kann. Die Herr­schen­den (am Himmel) haben leicht lachen – denn die Unter­wor­fe­nen (in der Hölle), die wollen das so! Das Optimum schmei­chelt dem indi­vi­du­el­len Nar­ziss­mus, der uns vor Gefühlen wie Abhän­gig­keit, Neid, Wut, Hass und Trauer in Schutz nimmt. Solange es nur geht ein perfektes Leben, danach der Absturz ins nichts.

    Die dys­to­pi­sche Gesell­schaft ist gegen das indi­vi­du­el­le Auf­be­geh­ren gewappnet: Alex­an­ders Einbruch bei Life Guidance und selbst sein Mord­ver­such werden nicht bestraft, sondern wie nie geschehen behandelt: Alexander kommt davon, weil er wählt, wei­ter­zu­le­ben, als ob nichts passiert wäre. Die indi­vi­du­el­le Einsicht ändert nichts, nicht einmal für das eigene Leben.

    Ruth Maders Film ist ein hartes Stück Arbeit und verdient seinen Platz in der Geschich­te von Arbeit im Film: die Qualität ihrer Dystopie liegt darin, dass ihre Wahrheit so schwer aus­zu­hal­ten ist.

    Günter Hefler arbeitet zu Fragen des Lebens­lan­gen Lernens  im inter­na­tio­na­len Vergleich bei 3s Research & Con­sul­ting in Wien. Das Kino ist für ihn eine besonders wichtige Inspirationsquelle.

    [1] Der Karl-Marx Hof – 1930 mit 748 Wohn­ein­hei­ten und aus­ge­dehn­ten Grün­flä­chen – eröffnet ist der größte zusam­men­hän­gen­de Woh­nungs­bau der Welt und Symbol des öffent­li­chen Woh­nungs­baus des „Roten Wiens“ schlecht­hin: Karl-Marx-Hof – Wikipedia.

    Life Guidance, Ruth Mader, AT 2017

    Filmstill, Life Guidance, AT 2017

    Filmstill, Life Guidance, AT 2017

    Filmstill, Life Guidance, AT 2017

    Filmstill, Life Guidance, AT 2017

    Filmstill, Life Guidance, AT 2017

    Tags


    „Lohnt sich das?“ – Eine deutsche Kurzfilmreihe zu Beruf & Geld

    „Lohnt sich das?“ – Eine deutsche Kurz­film­rei­he zu Beruf & Geld

    Die Kurzfilmreihe „Lohnt sich das?“ des Bayrischen Rundfunks unterstützt Jugendliche und junge Erwachsene bei der Berufswahl durch Berufsportraits, von der Glaserin bis zum Wirtschaftsprüfer, und lockt Zuschauende mit der zentralen Frage: Was verdient man da eigentlich dabei?

    The Men of God’s Wonderful Railway

    The Men of God’s Wonderful Railway

    Von der harten Arbeit im Maschinenbau zu den Annehmlichkeiten der Konsumerlebniswelt – der Vergleich zweier gegensätzlicher Fernsehreportagen zeigt diesen Wirtschaftswandel „in a nutshell“.

    Samurai des stillen Örtchens

    Samurai des stillen Örtchens

    In Perfect Days (2023) gelingt Wim Wenders das schier Unmögliche. Mit Hilfe des „Tokyo Toilets“-Projekts und in Gestalt eines Antiheld-Helden erschafft er das Ethos des Toilettenreinigers

    Das Filmbild als de-subjektivierende Kraft, oder Klassenbildung im Film

    Das Filmbild als de-sub­jek­ti­vie­ren­de Kraft, oder Klas­sen­bil­dung im Film

    The work of art is to dominate the spectator: the spectator is not to dominate the work of art. The spectator is to be receptive. He is to be the violin on which the master is to play. (Oscar Wilde, The Soul of Man Under Socialism)

    Der Schmäh mit der Eigenverantwortung

    Der Schmäh mit der Eigenverantwortung

    Die schöne, zornige Gig Economy-Komödie „Erwarte nicht zu viel vom Ende der Welt“ (2023, Radu Jude) muss in Bukarest nicht lang nach Ausbeutungsverhältnissen suchen, sondern findet sie bereits unterwegs im Auto einer Produktionsassistentin.

    Fischereipolitik und das Gesetz des Arbeitsunfalls

    Fische­rei­po­li­tik und das Gesetz des Arbeitsunfalls

    Die Serie ‚Blackport‘ (2021) arbeitet virtuos ein Stück isländische Wirtschaftsgeschichte rund um die Einführung der Fischereifangquoten auf. Dramatisch, amüsant und zugleich bildend spiegeln sich in diesem Mikrokosmos die Missstände der Welt.

    1 2 3 51


    Über diesen Blog

    Mit der Auswahl eines Films oder eines Bildes ver­an­schau­licht dieser Blog buch­stäb­lich das weite Feld der Arbeit, Beschäf­ti­gung und Bildung in einer offenen Sammlung aka­de­mi­scher, künst­le­ri­scher und auch anek­do­ti­scher Erkenntnisse.

    Über uns

    Konrad Wakol­bin­ger dreht Doku­men­tar­fil­me über Arbeit und Leben. Jörg Mar­ko­witsch forscht zu Bildung und Arbeit.  Beide leben in Wien. Infor­ma­tio­nen zu Gast­au­toren und ‑autorin­nen finden sich bei ihren jewei­li­gen Beiträgen

    Über uns hinaus

    Interesse an mehr? Wir haben hier Emp­feh­lun­gen zu ein­schlä­gi­gen Festivals, Film­samm­lun­gen und Literatur zusammengestellt.

    Über diesen Blog

    Mit der Auswahl eines Films oder eines Bildes ver­an­schau­licht dieser Blog buch­stäb­lich das weite Feld der Arbeit, Beschäf­ti­gung und Bildung in einer offenen Sammlung aka­de­mi­scher, künst­le­ri­scher und auch anek­do­ti­scher Erkenntnisse.

    Über uns

    Konrad Wakol­bin­ger dreht Doku­men­tar­fil­me über Arbeit und Leben. Jörg Mar­ko­witsch forscht zu Bildung und Arbeit. Wir arbeiten beide in Wien. Infor­ma­tio­nen zu Gast­au­toren und ‑autorin­nen finden sich bei ihren jewei­li­gen Beiträgen

    Über uns hinaus

    Interesse an mehr? Wir haben hier Emp­feh­lun­gen zu ein­schlä­gi­gen Festivals, Film­samm­lun­gen und Literatur zusammengestellt.